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Freitag, 8. März 2013

Comptine d'un autre été.

(Ich folge auf meinem Blog eigentlich eine klare Linie und kooperiere selten bis nie mit anderen Blogs. 1. Weil ich dieses Verlinken, das durch Sammelposts passiert, für Leser-Hascherei halte und 2. ich mich nie an die vorgegebenen Deadlines halten kann. Aber aufgrund gegebenen Anlasses habe ich mich entschieden etwas für ...AND SO ANNIE WAITSProjekt Mixtape zu schreiben. Naja, Linien laufen nicht gerade, sondern manchmal in Kurven.)

Ich höre keine Instrumentalmusik. Ich mag Stimmen zu sehr und finde, dass sie Musik erst das gewisse Etwas geben, Musik füllen und sie interessant machen. Ich höre deshalb auch nicht Klassik, und wenn, dann nur mit Chören. Die einzige Musik ohne Gesang in meiner Playlist wäre sowas wie Drum 'n Bass (...wobei viele den Begriff "Musik" dafür überbewertet finden). Und Musik mit lediglich einem Instrument fand ich immer schon langweilig. Und dann auch noch mit Klavier! Furchtbar, meine Ohren wurden schon zu oft durch mittelmäßiges Klavierspiel auf irgendwelchen Musikschulkonzerten beleidigt.
Dann kam der Samstag. Dieser verhängnisvolle Samstag, der uns allen den Wind aus den Segeln nahm. Ich habe von Samstag bis Mittwoch versucht mich abzuschotten, von Musik, von trauriger Musik, kein Coldplay  "Fix You", kein Casper, nix. Ich hatte ja schon so mit den Tränen zu kämpfen, wir alle, wenn wieder mal eine unsensible Person in unsere Klasse stürmte, uns fragte, warum wir so leise sind, ob es denn das Wetter ist, oder wenn wieder ein Lehrer von Herrn H. sprach um uns aufzumuntern, uns sein Mitgefühl aussprach (...und wir alle merkten, dass keiner von ihnen je verstehen wird, wie man eine wirkliche Freundschaft zu einem Schüler aufbaut, die auf GEGENSEITIGEN Respekt basiert, die über das "6, setzen!"-Prinzip geht, die von schulischen Problemen über politische Diskussionen bis hin zu familiären Konflikten geht), obwohl es keine Aufmunterung gab und wir einfach nur stupide Ablenkung brauchten, egal ob es Shakespeare oder die Übersetzung von Cicero war.
Aber dann war Mittwoch und alle wussten, dass der Abschied drängt. Nun war es offiziell und keiner würde am Samstag mehr in die Klasse stürmen, die Fenster aufreißen und sich darüber amüsieren wie die Mädchen fröstelnd in den Bänken sitzen. Und dann war auf der Trauerfeier dieses Lied. Diese Melodie, die plötzlich alle mitnahm, die Bilder, die Erinnerungen, die Zitate. Und es war still. Ein Wunder bei nahezu 100 Personen im schlimmsten Alter. Jeder hing seinen Gedanken nach und weinte.
Und ich weinte mit. Und ich weinte zum ersten Mal zu dieser Melodie und konnte plötzlich verstehen, was die Menschen daran fanden. Konnte plötzlich, zum ersten Mal in meinem Leben verstehen, wie schwer Abschied ist. Ich war vorher privilegiert gewesen, hatte gesunde Menschen um mich herum und musste dies nie mitmachen, plötzlich dann schon. Keiner kann verstehen, wie sich wahre Trauer anfühlt, es fühlt sich nicht wie ein Kloß im Hals an, es fühlt sich nicht wie ein Stein auf dem Herzen an, das sind alles leere Worte, Redewendungen, die irgendjemand erfunden hat, um etwas in Worte zu fassen, was man nur verstehen kann, wenn man es am eigenen Leib fühlt.

Das ist mein Heulsong. Ich hab keine Ahnung vom Film, ich weiß nicht, wie diese Amelie tickt, wovon das Stück handelt, oder sonst was. Aber ich habe damit Abschied genommen, von einer inspirierenden Person, die mich noch begleiten sollte, die mir Philosophie und Geschichte nahe gebracht hat, wie sonst keiner, die mir meine Berufslaufbahn geebnet hat, die mir zum ersten Mal in meinem Leben wirklichen Respekt entgegen gebracht hat, die mein persönlicher Lichtblick in dieser kalten Schule war, die mir gezeigt hat, wie wichtig Politik und Allgemeinbildung ist, die mich unterstützt und für mich eingesetzt hat, die mehr Freund als Lehrer war. Viele unserer Lehrer verstehen nicht, warum wir so trauern, warum uns das alles so mitnimmt. Und das ist der springende Punkt. Weil sie uns nicht verstehen, aber bilden wollen. Sie aber verstanden uns und schafften es so, uns das Wahre im Leben zu lehren, Herr H.


(Das ist alles so voller Fehler, aber ich bin müde, es ist spät und mir ist das jetzt herzlich egal. Warum ich das immer sage, weiß ich auch nicht.)

Und an kathi: Ich hab früher zu Nirvana geheult. Aber in der Schule spielen sie nur softes Zeugs.

1 Kommentar:

  1. der post ist mir nahe gegangen. sehr. mehr kann man zu solchen posts auch nicht sagen finde ich. die brauchen ihren persönlichen raum.

    aber ich mag deine sprache so sehr! du erzeugst so viele bilder auf deinem blog, nur durch deine worte. ich mag das unglaublich gerne.


    übrigens solltest du dir den film ansehn. :) diese art softes zeug ist ok. :)

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